Welt-Sepsis-Tag
Welt-Sepsis-Tag
Wenn aus einer Infektion ein Notfall wird
Am 13. September ist Welt-Sepsis-Tag. 2026 steht er international unter dem Motto „Invest in Sepsis – Save Lives“. Das Ziel: Sepsis früher erkennen, Infektionen besser verhindern und Versorgungsstrukturen schaffen, die Patienten vom akuten Notfall bis zur weiteren Behandlung sicher begleiten.
Sepsis kann grundsätzlich jeden Menschen treffen. Sie beginnt mit einer Infektion – etwa der Lunge, der Harnwege, der Haut oder eines anderen Organs. Gefährlich wird es, wenn die Reaktion des Körpers auf diese Infektion nicht mehr ausreichend reguliert ist und dadurch die eigenen Organe geschädigt werden.
Dann handelt es sich nicht mehr lediglich um eine Infektion.
Sepsis:
ein medizinischer Notfall
Diese Seite erklärt, was dabei im Körper geschieht, welche Warnzeichen ernst genommen werden sollten und warum die Versorgung nach einer schweren Infektion nicht zwangsläufig mit dem Krankenhausaufenthalt enden muss.
Was es wirklich ist
Mehr als eine Blutvergiftung
Nach der aktuellen deutschen S3-Leitlinie ist Sepsis eine akut lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer inadäquaten Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Entscheidend ist also nicht, ob sich Bakterien tatsächlich im Blut befinden, sondern dass eine Infektion beginnt, lebenswichtige Organfunktionen zu beeinträchtigen.
Ausgangspunkt können ganz unterschiedliche Infektionen unterschiedlicher Körperteile und – funktionen sein.
Lunge
Harnwege
Haut und Weichteile
Zugänge und Fremdkörper
Blutgefäße
Natürlich führt nicht jede Infektion zur Sepsis. Entscheidend ist jedoch, eine Verschlechterung rechtzeitig wahrzunehmen.
Wenn aus „krank“ plötzlich „schwer krank“ wird
Ein einzelnes Symptom beweist noch keine Sepsis. Umgekehrt müssen auch nicht alle typischen Symptome gleichzeitig auftreten. Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn sich ein Mensch mit einer bekannten oder vermuteten Infektion ungewöhnlich schwer krank fühlt oder sich sein Zustand rasch verschlechtert.
Mögliche Warnzeichen
Neue Verwirrtheit
Ungewöhnliche Orientierungslosigkeit, Benommenheit oder verändertes Verhalten
Auffällige Atmung
Ausgeprägte Atemnot oder deutlich beschleunigte Atmung
Starke Allgemeinsymptome
Extremes Krankheitsgefühl, schwere Schwäche, Schüttelfrost oder starke Muskelschmerzen
Auffällige Haut
Blasse, fleckige, marmorierte oder ungewöhnlich verfärbte Haut.
Sehr wenig Urin
deutlich reduzierte Urinausscheidung kann auf eine beeinträchtigte Organfunktion hinweisen
Kreislaufprobleme
Schwäche, Kollapsneigung oder andere Zeichen einer schweren Kreislaufbeeinträchtigung
Bei Verdacht auf eine Sepsis gilt: nicht abwarten.
Im Notfall: 112
Bei einer ausgeprägten Verschlechterung oder entsprechenden Warnzeichen sollte unverzüglich medizinische Hilfe gerufen werden.
Drei Missverständnisse
„Eine Sepsis erkennt man immer an hohem Fieber.“
Nein. Eine Sepsis kann mit Fieber einhergehen, muss es aber nicht. Auch normale oder erniedrigte Körpertemperaturen schließen einen schweren Verlauf nicht aus.
„Eine Blutvergiftung erkennt man am roten Strich am Arm.“
Nein. Ein roter Strich kann beispielsweise bei einer Entzündung von Lymphbahnen auftreten. Er ist weder Voraussetzung noch zuverlässiges Erkennungszeichen einer Sepsis.
„Wenn bereits ein Antibiotikum eingenommen wird, kann nichts mehr passieren.“
Auch unter einer begonnenen Therapie kann sich eine Infektion verschlechtern. Entscheidend sind unter anderem Erreger, Resistenzlage, Infektionsherd, Wirkstoff, Dosierung, Konzentration am Infektionsort und der klinische Zustand des Patienten.
Eine deutliche Verschlechterung gehört deshalb medizinisch abgeklärt – unabhängig davon, ob bereits ein Antibiotikum verordnet wurde
Warum schnelles Handeln entscheidend ist
Ärztliche Teams müssen parallel klären, wo sich der Infektionsherd befindet, welcher Erreger infrage kommt, ob Organe bereits beeinträchtigt sind und welche weiteren Maßnahmen notwendig werden.
Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt bei Sepsis die intravenöse Gabe geeigneter Antiinfektiva so schnell wie möglich. Beim septischen Schock soll die Behandlung idealerweise innerhalb einer Stunde beginnen. Parallel werden, möglichst ohne die Therapie zu verzögern, Blutkulturen und weitere mikrobiologische Proben gewonnen. Je nach Situation können zudem Flüssigkeitstherapie, Kreislaufunterstützung und eine rasche Sanierung des Infektionsherdes erforderlich sein.
Eine akute Sepsis oder ein septischer Schock gehören deshalb in die unmittelbare ärztliche beziehungsweise stationäre Notfallversorgung!
Stationär begonnen. Ambulant weitergeführt.
Eine schwere Infektion kann klinisch bereits deutlich gebessert sein, obwohl die antiinfektive Behandlung noch nicht abgeschlossen ist.
Manche Patienten benötigen über Tage oder Wochen weiterhin intravenöse Medikamente. Gleichzeitig kann ihr Zustand bereits so stabil sein, dass die medizinische Notwendigkeit für einen durchgehenden Krankenhausaufenthalt nicht mehr besteht.
Hier kann die ambulante parenterale Antiinfektivatherapie – kurz APAT – eine Versorgungsperspektive eröffnen. Die deutsche APAT-Leitlinie definiert sie als intravenöse – in seltenen Fällen intramuskuläre – Gabe von Antiinfektiva außerhalb des Krankenhauses, beispielsweise
• im häuslichen Umfeld,
• in einer Ambulanz,
• in einer Arztpraxis oder
• in einer stationären Pflegeeinrichtung.
Damit entsteht eine Brücke zwischen stationärer Akutmedizin und ambulanter Weiterbehandlung.
Intravenös behandeln, ohne stationär bleiben zu müssen
APAT bedeutet nicht, eine grundsätzlich mögliche Tablettentherapie durch eine Infusion zu ersetzen.
Im Gegenteil: Die Leitlinie stellt ausdrücklich klar, dass eine geeignete orale Behandlung gegenüber einer parenteralen Therapie bevorzugt werden soll. Erst wenn keine medizinisch gleichwertige orale Therapieoption besteht und weitere Voraussetzungen erfüllt sind, kommt eine APAT infrage.
Zu den Infektionen, bei denen APAT international und zunehmend auch in Deutschland eingesetzt wird, gehören beispielsweise:
• Knochen- und Gelenkinfektionen wie Osteomyelitis oder Spondylitis,
• bestimmte Blutstrominfektionen,
• infektiöse Endokarditiden,
• Haut- und Weichteilinfektionen,
• Fremdkörper-assoziierte Infektionen,
• tiefliegende Abszesse,
• ausgewählte Infektionen des zentralen Nervensystems sowie
• komplexe Infektionen mit schwierig behandelbaren oder resistenten Erregern.
Welche Behandlung ambulant fortgeführt werden kann, entscheidet jedoch nicht allein die Diagnose.
Wer für eine APAT infrage kommt
Bei der Bestimmung, wem ein APAT helfen kann, werden vielschichtige Faktoren betrachtet.
Klinische Stabilität
Die Erkrankung muss eine ambulante Behandlung überhaupt zulassen.
Therapieansprechen
Der bisherige Verlauf und das Ansprechen auf die antiinfektive Therapie müssen berücksichtigt werden.
Geeignetes Antiinfektivum
Dosierung, Applikationsintervall, Verträglichkeit und pharmazeutische Stabilität müssen zum ambulanten Versorgungskonzept passen.
Geeigneter Gefäßzugang
Art und Dauer des Zugangs richten sich unter anderem nach Wirkstoff, Therapiedauer und individueller Situation.
Sichere Versorgung zu Hause
Anwendung, Lagerung, Hygiene und gegebenenfalls Unterstützung durch Pflegekräfte oder Angehörige müssen gewährleistet sein.
Regelmäßige
Kontrolle
Therapieerfolg, Nebenwirkungen, Laborwerte und der Gefäßzugang müssen im Verlauf überwacht werden.
Feste Ansprechpartner
Für Probleme und Komplikationen muss ein definiertes Versorgungs- und Sicherheitsnetz bestehen.
Die aktuelle Leitlinie sieht deshalb ausdrücklich ein multiprofessionelles APAT-Team mit infektiologischer Leitung und enger Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Apothekern sowie möglichst APAT-erfahrenen Pflegefachkräften vor.
Was zwischen Verordnung und Infusion passiert
Wirkstoff, Infusion, Patient
Für den ambulanten Einsatz müssen viele Fragen geklärt werden. Zum Beispiel:
Einige Antiinfektiva sind über längere Zeit stabil, andere verlieren bereits innerhalb weniger Stunden relevante Wirkstoffanteile.
Die Konzentration kann die chemische Stabilität einer Zubereitung wesentlich beeinflussen.
Natriumchlorid 0,9 %, Glucoselösungen oder andere Systeme sind nicht für jeden Wirkstoff gleichermaßen geeignet.
Infusionsbeutel, Elastomerpumpen und andere Applikationssysteme können unterschiedliche Anforderungen an Stabilität und Kompatibilität stellen.
Eine Zubereitung kann zunächst gekühlt gelagert werden und später über viele Stunden körpernah getragen werden. Genau dieser Temperaturwechsel muss pharmazeutisch berücksichtigt werden.
Herstellung, Transport, Kühllagerung und Applikationszeit müssen als zusammenhängender Prozess betrachtet werden.
Die APAT-Leitlinie nennt deshalb ausdrücklich Dosierungsintervall, Stabilitätsdaten, Infusionssystem, Lösungsmittel, Konzentration, gegebenenfalls Puffer, Temperatur, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Interaktionen als pharmazeutisch relevante Kriterien.
APAT braucht mehr als das richtige Antibiotikum
Die Apotheke Helle Mitte verfügt über einen eigenen modernen Reinraumkomplex und stellt patientenindividuelle sterile Infusionszubereitungen her. Parenterale Antiinfektiva gehören bereits heute zu unserem spezialisierten pharmazeutischen Leistungsspektrum.
Im Rahmen einer APAT kann die Apotheke behandelnde Einrichtungen unter anderem mit diesen Leistungen unterstützen:
Pharmazeutische Prüfung
Prüfung der Verordnung hinsichtlich Dosierung, Konzentration, Kompatibilität, Stabilität und technischer Herstellbarkeit.
Patientenindividuelle Sterilherstellung
Aseptische Herstellung der verordneten parenteralen Zubereitungen in unserem Reinraumkomplex.
Auswahl des Versorgungskonzeptes
Pharmazeutische Bewertung von Infusionssystem, Lösungsmittel, Konzentration, Applikationsdauer sowie Lagerungsbedingungen.
Stabilitätsbewertung
Bewertung verfügbarer Stabilitätsdaten unter Berücksichtigung der konkreten Zubereitung und des eingesetzten Applikationssystems.
Kennzeichnung und Lagerung
Eindeutige Angaben zur Anwendung sowie zu gegebenenfalls notwendiger Kühlung, Lichtschutz und Aufbrauchfrist.
Koordinierte
Logistik
Zeitlich abgestimmte Herstellung und Belieferung von Patienten, Praxen und Versorgungsstrukturen.
Interdisziplinäre Abstimmung
Direkte pharmazeutische Rücksprache mit behandelnden Ärzten und beteiligten Versorgungspartnern bei Fragen zur Herstellbarkeit oder praktischen Umsetzung.
Damit verstehen wir die Apotheke nicht lediglich als Lieferanten eines Arzneimittels, sondern als pharmazeutischen Bestandteil der Versorgungskette.
Von der Therapieentscheidung bis nach Hause
1
Indikation, Wirkstoff, Dosierung, Therapiedauer und Behandlungsplan werden ärztlich beziehungsweise infektiologisch festgelegt.
2
Die Apotheke prüft die vorgesehene Zubereitung auf pharmazeutische Plausibilität und technische Umsetzbarkeit.
3
Bei Fragen zu Stabilität, Konzentration, Infusionssystem oder Lagerung stimmen wir uns möglichst bereits vor Beginn der ambulanten Versorgung mit dem behandelnden Team ab.
4
Die Zubereitungen werden patientenindividuell unter kontrollierten aseptischen Bedingungen hergestellt und eindeutig gekennzeichnet.
5
Die benötigten Zubereitungen werden entsprechend des vereinbarten Versorgungskonzeptes bereitgestellt und transportiert.
6
Die medizinische Kontrolle verbleibt beim behandelnden APAT-Team. Dabei wird regelmäßig geprüft, ob die Therapie weiterhin parenteral erfolgen muss oder eine Umstellung auf eine geeignete orale Behandlung möglich ist.
Viele Hände, ein Behandlungsplan
Klinik, Infektiologie, Hausärzte, spezialisierte Praxen, Pflegefachkräfte, Apotheke, Patienten und Angehörige müssen wissen, wer was wann übernimmt.
Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob eine theoretisch geeignete ambulante Therapie auch praktisch sicher durchgeführt werden kann.
Die Apotheke Helle Mitte unterstützt bereits heute Kliniken, MVZ, Arztpraxen, Pflegedienste und Patienten mit patientenindividuellen sterilen Infusionszubereitungen und spezialisierten Compounding-Leistungen – regional wie auch überregional.
APAT früh mitdenken
Sie behandeln einen Patienten, bei dem eine längerfristige intravenöse Antiinfektivatherapie erforderlich sein könnte? Sie wünschen sich dabei Unterstützung?
Sprechen Sie uns möglichst frühzeitig an.
Gemeinsam können wir unter anderem prüfen:
- Ist die verordnete Zubereitung unter ambulanten Bedingungen herstellbar?
- Welche Stabilitätsdaten liegen für Wirkstoff und Konzentration vor?
- Welches Infusionssystem kommt infrage?
- Welche Lagerungs- und Transportbedingungen sind erforderlich?
- Welche Herstellungsintervalle sind sinnvoll?
- Wie lässt sich die Belieferung in die bestehende Versorgungsstruktur integrieren?
So kann aus einer medizinischen Therapieentscheidung ein praktisch funktionierendes Versorgungskonzept werden!
Bei Sepsisverdacht nicht zur Apotheke, sondern gleich zum Rettungsdienst
Unsere pharmazeutische Kompetenz kann bei der Prävention von Arzneimittelproblemen und bei der späteren ambulanten Versorgung helfen. Eine vermutete akute Sepsis gehört jedoch nicht in die Apotheke und nicht in eine reguläre ambulante Beratung.
Disclaimer: Diese Seite informiert allgemein über Sepsis und die ambulante parenterale Antiinfektivatherapie. Sie ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine individuelle Diagnose oder Therapieentscheidung. Eine akute Sepsis und ein septischer Schock sind medizinische Notfälle und nicht Gegenstand einer ambulanten APAT-Versorgung. Ob eine parenterale Antiinfektivatherapie nach medizinischer Stabilisierung ambulant fortgeführt werden kann, wird für jeden Patienten individuell durch das behandelnde medizinische beziehungsweise infektiologische Team entschieden. Die Apotheke unterstützt die pharmazeutische Prüfung, Herstellung und praktische Umsetzung einer ärztlich festgelegten Therapie.
Frau Felder verfügt über eine langjährige und ausgewiesene Erfahrung in der Herstellung von Zytostatika sowie parenteralen Schmerztherapien. Mit höchster fachlicher Präzision begleitet sie jeden Schritt der aseptischen Zubereitung. Dabei prüft sie sorgfältig die Plausibilität und korrekte Dosierung der eingesetzten Wirkstoffe und gewährleistet die Einhaltung aller geltenden Qualitätsstandards.
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